Das Wissen um 600 Jahre Landschaftsmalerei
Die Kunst Achim Beiers gehört in das Fach der Landschaftsmalerei, die sich seit dem 15. Jh. entwickelt und verändert. Noch im beginnenden 19. Jh. fristet sie ihr Dasein auf der untersten Stufe der Rangskala der Künste. Im Bewusstsein der historischen Positionen zeigt Achim Beier dass auch im 21. Jh. die Kontinnuität fortgesetzt wird, ohne an Authentizität in Bezug zu unserer Zeit zu verlieren. Von den sich wandelnden Blickrichtungen der Menschheit auf die Landschaft bis zum »Überlebensthema« Natur heute reicht die Bandbreite dieser im Sujet so harmlos anmutenden Bilder.

Mit Bedacht wählt der Künstler auf ausgiebigen Wanderungen die Fotokamera als Medium, um die Skizze »vor Ort« einzufangen. Die veristisch gegebene Situation festzuhalten ist bereits ein erster Abstrahierungsvorgang durch den gestaltenden Menschen. Auch die ersten Freilicht-Zeichner und -Maler der ersten Hälfte des 19. Jh. mussten sich für den Ausschnitt, die Strichform und die Farbe entscheiden. Die Fotokamera korrespondiert mit einer verfremdeten und doch so vertraut gewordenen Sehgewohnheit. Im Atelier entsteht die Zeichnung und endlich das Gemälde. Bis ins 19. Jh war Landschaftsmalerei ein Prozess der Formfindung im Atelier, z.B. mit festgelegten Plänen oder Bauformen zur Umsetzung von Raum, Perspektive oder symbolischer Botschaft. Die einerseits »naturalistisch« anmutenden Bilder der Landschaft und der Natur mit und ohne Mensch und Kreatur von Achim Beier tragen dieser langen Tradition Rechnung. Die grafische Gestaltung von Astwerk kann an japanische Holzschnitte erinnern, Laubwerk an ein impressionistisches Gemälde, ein Kiefernstamm an die Worpsweder Malschule. Und am Ende – in Ausschnitt, Strichform, Kontrasten, Brüchen – ist es ein Bild der Jetztzeit.
Dr. phil. Ingeborg Besch