Zwischen Nähe und Distanz
Achim Beiers Bilder 2004-2007

Michael Stöber

Achim Beier hat sich seit einigen Jahren einem Genre zugewandt, das viele in der Bildenden Kunst inzwischen für obsolet halten, weil es nicht unbedingt das ist, was die aktuelle Kunstproduktion und Kunstdiskussion nachhaltig bewegt: er hat sich der Landschaftsmalerei zugewandt. Dabei ist unübersehbar, dass die Landschaftsmalerei ein Genre ist, das immer noch lebt und keineswegs nur der Geschichte der Malerei angehört. In der klassischen Moderne wie in der unmittelbaren Gegenwart haben Künstler wie Roy Lichtenstein oder Ernst Wilhelm Nay, Karel Appel oder Jean Dubuffet, Max Ernst oder Piet Mondrian, Cy Twombly oder Gerhard Richter – um nur ad libitum einige zu nennen – dafür gesorgt, dass die Landschaftsmalerei nicht in Vergessenheit gerät. Allerdings hat dieses Genre nicht anders als weitere klassische Genres der Malerei wie das Historienbild, das Meerstück, das Porträt oder das Stilleben eine tiefgreifende, um nicht zu sagen kopernikanische Wende erlebt. Das heißt, dass in diesem Bereich in der Gegenwart nichts mehr ist, wie es einmal war. 

Diese Wende lässt sich datieren. Sie beginnt mit der Entdeckung der Fotografie in der Mitte des 19ten Jahrhunderts, welche die Malerei in ihren Grundfesten erschüttert, weil sie ihr die angestammte Rolle des Repräsentierens streitig macht. Jahrhunderte lang war es die Aufgabe der Malerei, das Sichtbare möglichst wirklichkeitsgetreu wiederzugeben. Das kann der Fotoapparat plötzlich besser. Also besinnt sich die Malerei auf das, was der Fotoapparat nicht kann. Er gibt das Sichtbare wieder, sie kann sichtbar machen.
Er registriert präzise, sie kann fantastisch sein. Er ist scheinbar objektiv, sie kann hemmungslos subjektiv sein. Die Zeit der Malerei – und damit auch der Landschaftsmalerei – ist mit der Erfindung der Fotografie nicht zu Ende. Sie fängt eigentlich erst richtig an. Denn nun betritt unwiderruflich das Subjekt die Bühne der Kunst. Der individuelle Blick triumphiert über die objektive Realität. Das Bild bekommt den Charakter einer Erscheinung. Natur wird zu einem Ereignis des Auges, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das wohl hat Cézanne gemeint, als er davon sprach, Monet sei nur ein Auge, indes bewundernd hinzusetzte: »Aber was für ein Auge!«

Ein Auge ist auch Achim Beier. Ein Auge, das sich in die Landschaft verliebt hat und dieser Liebe zeichnend und malend Tribut abstattet. Den subjektiven Bezug seiner Landschaftsmalerei verdeutlichen die Titel, die er seinen Werkserien beigegeben hat. Wir lesen: »Waldgänge, Pirschgänge, Warten und Schauen.« Wenn der Maler von der Ebene ins Hochgebirge wechselt, heißt es: »Ausgiebige Wanderungen, Meditationen und Speck.« In solchen Titeln ist das schauende, fühlende und denkende Subjekt ganz gegenwärtig, während es in den Bildern eher indirekt anwesend ist. Nur sehr wenige Gemälde Beiers zeigen Menschen. Mal handelt es sich bei ihnen um die Wandergefährtin des Malers, mal sehen wir ihn oder ein alter ego von ihm auf der Beizjagd oder beim Fotografieren. Fotografie und Malerei befinden sich in der Kunst von Achim Beier nicht in Konkurrenz zueinander, sondern der Künstler nutzt den Fotoapparat, um seine Natureindrücke zur späteren Bearbeitung festzuhalten. Ausgehend von diesen Aufnahmen, gestaltet er in der Folge seine Gemälde. Dabei geht es nicht um die Übertragung des Landschaftseindrucks von einem ins andere Medium, sondern