Zwischen Nähe und Distanz
Achim Beiers Bilder 2004-2007


die Fotografien fungieren wie Skizzen. Sie sind eine Art Gedächtnishilfe, mit denen Beier in großer Freiheit verfährt. Einmal orientiert er sich bei seiner Malerei eng an der fotografischen Vorlage, dann wieder montiert er verschiedene Fotografien zu einem zusammengesetzten, fiktionalen Bild.

Der freie und subjektive Umgang mit den Vorlagen zeigt sich auch in der Verwendung unterschiedlicher Malsprachen. Den Stamm seiner »Hainbuche« aus dem Jahre 2004 rückt der Maler mit expressivem und temperamentvollem Pinselgestus in die Mitte der Bildbühne. Das Gebüsch drum herum ist eher angedeutet als ausgemalt. Landschaft als Abbreviatur. Das Bild ist dramatisch ausgeleuchtet. Der Wechsel von Hell-Dunkelpartien bestimmt die Struktur des Gemäldes, das der Betrachter in diesem Gegensatz auch symbolisch lesen kann. Mit solchen symbolischen Verweisen ist Achim Beier in seiner Kunst indes in der Regel eher zurückhaltend, es sei denn man lese all seine der Natur gewidmeten Werkserien als eine einzige Konfession, in der er das »Kunstschöne« bemüht, um das »Naturschöne« zu preisen. Die Kantschen Begriffe stehen für ihn nicht in Opposition, sondern in dynamischer Wechselwirkung. Das trifft auch auf seine unterschiedlichen Malsprachen zu. Alle zusammen bilden sie die Fragmente eines zusammenhängenden Diskurses zum Lob der Natur. So wundert es nicht in »Kleine Heide III« (2004) die winterkahlen Baumstämme und ihre Zweige präzise ausgemalt zu finden, sternenweit entfernt von dem wischenden Gestus der »Hainbuche«. Was indes beide Bilder gemeinsam haben ist der zurückhaltende Einsatz der Farbe.
Betrachtet man das Selbstverständnis des Künstlers vor dem Hintergrund des alten Renaissancestreites der Schulen von Florenz und Venedig, was Vorrang haben solle in der Malerei, Farbe (coloriti) oder Linie (disegno), muss man Beiers Werk klar auf Seiten der Linie verorten. Stets besticht an seinen Bildern die klare Komposition und die präzise Struktur. Selbst wenn er wie in »Kleine Heide« (2005) und »Kleine Lichtung« (2006) Farbe in beinahe rokokohafter Grazie einsetzt oder in subtiler Tonalität wie in »Lütjensee« (2006) oder in »Kulmitzen II« (2007), werden die Bilder von ihrer wohl geordneten Architektur beherrscht. Das Kolorit reißt Beiers Bilder nie fort in einen seinsvergessenen, dionysischen Farbrausch. Sondern das Kolorit koloriert, so wie in alten Stichen, in denen die Farbe das Bildgeschehen vitalisiert. Dabei ist nicht zu übersehen, dass die Sujets seiner Bilder der Linie gehören. Sie hat eindeutig Vorrang bei der Welt- und Naturerfassung des Künstlers. Landschaft eignet sich Beier nicht in besinnungslosem Entzücken an, sondern auf eher rationale Weise. Mit einem durch die Vernunft geleiteten Gefühl. De more geometrico, auf kartesianische Weise.

Das verdeutlicht auch ein Kunstgriff, der fast schon so etwas wie eine Signatur der Bilder dieses Künstler ist: das Fragmentarische, ausschließlich Konturierte und Unausgemalte in den Gemälden Beiers. Während in »Kleine Heide III« der Waldboden durch kursorische Lineaturen nur knapp angedeutet wird, bestimmt diese Strategie in »Kleine Heide IV« fast ausschließlich die Gestaltung des ganzen unteren Bilddrittels. Sie ist auch in vielen anderen Werken des Künstlers nachweisbar. Es ist in verschiedener Hinsicht ein sehr kluges Instrument, zu dem Beier hier greift. Zum einen unterminiert es die Gegenständlichkeit seiner Bilder und stellt ihre Mimesis in Frage.